
Napoleon als Erster Konsul Frankreichs
Am 9. November 1799 starteten zwei jakobinische Parlamentarier und ein General einen Putsch, der Frankreich für immer veränderte. Der Staatsstreich ging auf und die 3 Männer ernannten sich zu Konsuln. Eigentlich wollten sie als Übergangsregierung Frankreich eine neue Verfassung geben, doch zwischen den Putschisten entbrannte ein Machtkampf. Welche politischen Machtkämpfe sich nach dem Putsch von 1799 in Frankreich entwickelten und welche Rolle Napoleon Bonaparte dabei spielte, erfahrt ihr auf dieser Seite.
Machtstreben Napoleons
Unter dem Jubel etlicher Schaulustiger wurden die Jakobiner Ducos und Sieyès sowie General Napoleon Bonaparte als Konsuln vereinigt. Ihr erfolgreicher Putsch besiegelte das Ende der Republik. Ducos und Sieyès wollten nach ihrer Machtübernahme eine neue Verfassung ausarbeiten, doch Napoleons Pläne waren weitreichender. Er wollte mehr als nur einer von drei Konsuln sein. Mehr als nur ein Übergangsregent sein. Er wollte die absolute Macht, um Frankreich nach seinen Vorstellungen zu formen und sich selbst an der Spitze des Staates zu stellen. Seine Macht stützte sich auf die Armee. Napoleon war von 1796 bis 1798 Feldherr in Frankreichs Kriegen in Italien und Ägypten gewesen. Durch seine Eroberung von Mittel- und Norditalien zwang er den Kriegsgegner Österreich zum Frieden von Campo Formio. Danach errichtete er die von Frankreich abhängigen Staaten Niederlande, Neapel und Genua. Durch geschickte Propaganda gelang es ihm, mit den erfolgreichen Feldzügen bekannt und beliebt in der französischen Bevölkerung zu werden. Besonders auf die Soldaten konnte er sich stützen, da er nur zu gewinnen schien und Niederlagen zu verschweigen wusste. Seine Popularität spielte Napoleon Bonaparte gnadenlos gegen seine Mitverschwörer Ducos und Sieyès aus. Durch seine Macht über das Heer konnte er alle wichtigen Posten mit ihm wohlgesonnenen Personen besetzen.




Napoleon als General


Parvenüs als neue Elite


Symbolbild - Ausschluss der Unterschicht
Konsulatsverfassung von 1799
Innerhalb von nur 11 Tagen schufen ausgewählte Abgeordnete eine Verfassung, die auf Napoleon zugeschnitten war. Er wurde Erster Konsul und bestimmte die beiden anderen Konsuln. Damit waren Napoleons Mitstreiter Ducos und Sieyès quasi entmachtet und ihnen kam nur noch eine beratende Funktion zu. Napoleon durfte als Erster Konsul Minister, Offiziere, Botschafter und die meisten Richter ernennen. Die Konsuln wählten Personen für einen Senat aus, der sich dann selbst ergänzte. Der Senat wählte die Konsuln für 10 Jahre und ernannte außerdem ein Tribunat. Das Tribunat leitete Gesetzesvorschläge weiter. Wenn der Senat den Vorschlägen zustimmte, wurden sie vom Staatsrat ausgearbeitet. Auch die Mitglieder des Staatsrates wurden von den Konsuln bestimmt. Das Volk wählte nur indirekt über mehrere Stufen einige Personen für eine nationale Liste aus. Senat und Konsuln durften bei Wahlen auf diese Liste zurückgreifen, konnten sie aber auch für ungültig erklären. Das Volk hatte also letztendlich kein Mitspracherecht. Wie ihr seht, entstand ein kompliziertes und undurchsichtiges Staatssystem. Wichtig ist: Die gesamte Macht lag beim ersten Konsul. Die Konsulatsverfassung schaffte eine Diktatur mit Napoleon als unangefochtenen Herrscher. Seine Mitverschwörer Sieyès und Ducos verloren ihre Positionen als Konsuln an Cambacérès und Lebrun und wurden in den Senat abgeschoben. Die Verfassung wurde am 25. Dezember 1799 in Kraft gesetzt.
Sicherung der Herrschaft
Napoleon wollte seine Macht jedoch auch langfristig sichern und setzte daher für Februar 1800 eine Volksabstimmung über die neue Verfassung an. Offiziell stimmten über 3 Millionen Menschen für die neue Verfassung und nur etwa 1.500 dagegen, ein überwältigendes Ergebnis. Doch die Abstimmung war von Napoleons Bruder Lucien manipuliert worden. Dieser fügte etwa 900.000 Ja-Stimmen hinzu, die es nie gegeben hatte. Trotz des Betrugs wurde die Wahl akzeptiert. Das neue Herrschaftskonzept war auf die Parvenüs ausgelegt. Dies waren soziale Aufsteiger, die während der Revolution zu Reichtum und Macht gekommen waren. Zu ihnen gehörten Grundbesitzer, erfolgreiche Geschäftsleute sowie Beamte und Militärs. Sie wurden als neue Elite mit gut bezahlten Posten im Parlament belohnt und ihre Geschäfte und Besitzungen wurden gesichert. Diese Männer taten alles, um ihre Stellungen zu behalten, und unterstützten deshalb Napoleon, der in ihrem Interesse handelte. Die gesamte Unterschicht mit Bauern, Arbeitern und Tagelöhnern wurde von der Macht ausgeschlossen. Der Satz aus der Proklamation „Bürger! Die Revolution ist zu ihren Grundsätzen zurückgekehrt: Sie ist beendet!" bekam damit eine ganz neue Bedeutung. Napoleon beendete die Zeit, in der jeder die Möglichkeit zum sozialen Aufstieg gehabt hatte. Trotz dieser radikalen Veränderungen kam es nicht zu Aufständen. Das Volk hatte so viele Regierungswechsel erlebt, dass ihm andere Dinge wichtiger waren: Frieden, ein stabiles Einkommen und die Rückkehr in einen normalen Alltag. Außerdem begann Napoleon gleich nach der Verabschiedung der Verfassung zusammen mit dem Staatsrat, das Land zu modernisieren. Die Sitzungen leitete der erste Konsul selbst und erweiterte dabei sein Verständnis für Recht, Finanzen und Verwaltung.
Reformen Napoleons
Napoleon zeigte sich als geschickter Regierungschef und erreichte beeindruckende Ergebnisse. Bis 1804 entstand das erste Zivilrecht Frankreichs: der „Code civil". Darin waren wichtige Rechte wie die Gleichheit aller vor dem Gesetz und der Schutz des Eigentums in verständlicher Sprache festgeschrieben. Der Code civil wurde in vielen europäischen Ländern zum Vorbild für Menschen, die für mehr Rechte kämpften. Viele Artikel des Code civil gelten noch heute in Frankreich. Bonaparte führte erneut Steuern auf Tabak, Salz und Alkohol ein. Eine neu gegründete private Bank sollte den Wert des Papiergeldes stabiler machen und das Vertrauen in den Staat stärken. Außerdem sollte eine Währungsreform für stabiles Geld sorgen. Er löste damit ein Wirtschaftswachstum aus, das Jahrzehnte anhielt und mit weiteren Reformen einherging. Das Schulsystem wurde erneuert und die Verwaltung zentralisiert. Innerhalb der Verwaltung übernahmen unabhängige, ortsfremde Personen, denen Berater aus der Region zur Seite standen. Schlechte Verwalter ersetzte Napoleon sofort. Die Polizei durfte Royalisten nicht mehr einfach in die Kolonien abschieben, und ausgewählte Jakobiner, Royalisten sowie während der Revolution geflohene Franzosen durften sogar nach Frankreich zurückkehren. Napoleon verkündete für ganz Frankreich Religionsfreiheit und gab der katholischen Kirche Bistümer und Pfarreien in verkleinerter Form zurück.
Unterdrückung der Opposition
Doch gleichzeitig schränkte er die Menschenrechte ein und ging hart gegen politische Gegner vor. Durch das Verbot der meisten Pariser Zeitungen nahm er der Opposition die Möglichkeit, kritische Artikel zu veröffentlichen. Der neue Polizeiminister Fouché baute in Napoleons Auftrag im ganzen Land ein Netz aus Spitzeln auf. Dieser riesige Überwachungsapparat legte ausführliche Akten über jede potenziell und tatsächlich wichtige Person in Frankreich an. Die Royalisten im Süden, die Überfälle begingen, plünderten und raubten, wurden festgenommen und meist hingerichtet, sodass das Bandenwesen eingedämmt wurde. Obwohl sich Napoleons Herrschaft auf einen Polizeiapparat und Bespitzelung stützte, war er beim Volk beliebt.
Außenpolitik Napoleons
Auch außenpolitisch schuf Napoleon neue Verhältnisse. Neben dem erzwungenen Friedensvertrag mit Österreich schloss er weitere Friedensverträge mit dem Heiligen Römischen Reich deutscher Nation und Großbritannien. Nach Kriegsende im Jahr 1802 ließ sich Napoleon durch eine Volksabstimmung mit angeblich 3,5 Millionen Stimmen zum Ersten Konsul auf Lebenszeit wählen. Die Abstimmung war erneut manipuliert worden. Dennoch stand ein großer Teil des Volkes hinter ihm, da er die Spannungen innerhalb der Gesellschaft in Frankreich durch seine Reformen gemildert hatte und die Wirtschaft wuchs. Die Opposition war durch den Überwachungsstaat unterdrückt worden und verstummt. Aus Napoleons Sicht war Frankreich nun bereit für seinen nächsten Schritt. Er wollte all seinen Nachkommen die Herrschaft über Frankreich sichern und sein Land in ein Kaiserreich umwandeln.
Zusammenfassung
Nach dem Putsch von 1799 nutzte Napoleon Bonaparte seine Beliebtheit beim Militär geschickt aus, um seine beiden Mitverschwörer zu entmachten und sich selbst zum alleinigen Herrscher mit diktatorischen Vollmachten zu machen. Durch zahlreiche Reformen wie den Code civil, wirtschaftliche Stabilisierung und Religionsfreiheit gewann er die Unterstützung des Volkes, während er gleichzeitig die Opposition durch Zensur und einen Überwachungsstaat unterdrückte. 1802 ließ er sich zum Konsul auf Lebenszeit wählen und bereitete so den Weg zur Kaiserkrone vor.


Code Civil 1804


Polizeiminister Fouché
3 Konsuln - Sieyes, Napoleon und Ducos








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