Sturm auf die Bastille

Anfang 1789 steckte das spätabsolutistische Frankreich in einer schweren Krise. Unter wachsendem Druck berief König Ludwig XVI. die Generalstände ein – ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Französischen Revolution. Welche Ereignisse prägten ihre Anfangsphase? Wie verlief die Revolution, und welche Beschlüsse fasste die Nationalversammlung? Antworten darauf findet ihr auf dieser Seite.

Ausgangssituation

Ludwig XVI. war durch vielfältige Gründe unter Druck geraten. Zu den wichtigsten Ursachen gehörte die verschwenderische Hofhaltung in Versailles, die durch den Finanzminister Neckar aufgedeckt wurde. Der Staat besaß enorme Schulden und war finanziell bankrott. Zugleich war der König nicht stark genug, um eine Finanzreform gegen den Widerstand des Adels durchzusetzen. Als der Rechenschaftsbericht über die Prasserei des Königs öffentlich wurde, verweigerten die Privilegierten in den Parlamenten die Zustimmung zur staatlichen Steuerpolitik, über die sie mitbestimmen durften. Daraufhin sah sich der König gezwungen die Parlamentarier aus Paris zu verbannen, um seine Hofhaltung weiter zu finanzieren. Dies löste eine vom Adel gestützte Rebellion gegen den König aus. Ludwig XVI. erlitt daraufhin einen massiven Autoritäts- und Machtverlust. Er musste anschließend einlenken, indem er die Parlamentarier wieder einberief und die Generalstände veranlasste.

Erklärung des Dritten Standes

Dies sorgte für Begeisterung im Dritten Stand, da die Generalstände seit 1614 nicht mehr einberufen worden waren. Insbesondere das Bürgertum hoffte auf politische Mitbestimmung. Die am 5. Mai 1789 einberufenen Generalstände waren ein Ständeparlament, in dem Vertreter aus dem Klerus (1.Stand), dem Adel (2.Stand) und dem einfachen Volk (3.Stand) saßen. Da der Dritte Stand über 97% der Bevölkerung verkörpert, forderte er eine Erhöhung von 300 auf 600 Vertretern und eine Abstimmung nach Köpfen. Bisher hatten alle Stände 300 Abgeordnete und jeder Stand eine Stimme, sodass die zwei privilegierten Stände den dritten Stand immer überstimmen konnten. Der König setzte die Erhöhung auf 600 Abgeordnete durch, allerdings hielt er am Prinzip „Jeder Stand eine Stimme“ fest, sodass der Dritte Stand massiv benachteiligt blieb und keine Entscheidungen durchsetzen konnte. Daraufhin kam es am 17.06.1789 zum ersten revolutionären Akt. Der Dritte Stand und einige reformwillige Privilegierte, wie Land- und Dorfpfarrer, versammelten sich und riefen sich in der Erklärung des Dritten Standes zur Nationalversammlung aus. Daraufhin kündigt der König die Auflösung der selbsterklärten Nationalversammlung an und schloss die Abgeordneten am 20.06.1789 aus den Sitzungsräumen aus.

Sturm auf die Bastille

Dies fachte den Widerstand des Dritten Standes aber noch an und es kam am 20.06.1789 zu einem Ereignis, das als Ballhausschwur in die Geschichte eingeht. Die Abgeordneten des Dritten Standes und alle Reformwilligen schwören sich im Ballhaus, dass sie nicht eher auseinander gehen wollen, ehe eine Verfassung für das ganze Volk ausgearbeitet sei. Damit widersetzte sich der Dritte Stand den Anweisungen des Königs, der die Nationalversammlung aufgelöst hatte. In Folge zog der König Truppen um Paris zusammen und berief eine neue, königstreue Regierung ein. Zudem entließ er den als moderat und im Bürgertum angesehenen Reformisten Neckar, der die Verschwendung des Königs erst aufgedeckt hatte. Das Volk griff zu den Waffen und erstürmte am 14.07.1789 das Symbol des feudalen Standes an, das königliche Gefängnis, die Bastille. Zusätzlich wurden Zollstationen geplündert und es kam zu Aufständen in den Klöstern. Der 14. Juli mit dem Sturm der Bastille ist ein symbolischer Sieg und heute Nationalfeiertag in Frankreich. Der König lenkte daraufhin ein und erkannte die Nationalversammlung an, währenddessen der Adel ins Ausland emigrierte und versuchte von dort gegen die Revolution zu wirken.

Folgen des Ereignisses

Der in Paris begonnene Volksaufstand breitete sich über das ganze Land aus. Die Nationalversammlung versuchte ihre Abgeordneten zu schützen und die Aufstände zu legalisieren. Die Aufstände wurden nun offen als Revolution gehandhabt und es sollten gesetzliche Übergangsregeln aufgestellt werden. Die sogenannten Augustbeschlüsse schafften ab dem 4.08.1789 die Vorrechte des Adels und der Kirche ab. Jedem Bürger wurde Rechtsgleichheit zugesichert. Am 26. August wurden die Bürger- und Menschenrechte erklärt, die noch heute gelten: Liberté, Égalité und Fraternité. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.

Am 03.09.1789 verkündete die Nationalversammlung die neue Verfassung, die Frankreich zur konstitutionellen Monarchie erklärte. Die Mehrheit der Nationalversammlung setzte sich damit über radikal gesinnte Abgeordnete und den König hinweg, der die Verfassung am 14. September unterschrieb. Ludwig XVI. durfte nun keine Gesetze mehr erlassen oder Richter ernennen, hatte aber nach wie vor die oberste Befehlsgewalt über das Heer und konnte Beamte ernennen. Nur männliche Bürger, die Besitz vorweisen konnten, durften wählen. Frauen und Besitzlose blieben also weiterhin vom Wahlrecht ausgeschlossen. Maße und Gewichte wurden vereinheitlicht. Das Großbürgertum hatte alle seine Wünsche erreicht und wollte die Revolution für beendet erklären. Ob das gelang, erfahrt ihr im nächsten Kapitel.

Zusammenfassung

Anfang 1789 geriet Frankreich durch Staatsverschuldung, soziale Ungleichheit und den Autoritätsverlust Ludwigs XVI. in eine tiefe Krise, die zur Einberufung der Generalstände führte. Die Benachteiligung des Dritten Standes mündete in dessen Selbst­erklärung zur Nationalversammlung und im Ballhausschwur, eine Verfassung auszuarbeiten. Der Widerstand eskalierte mit dem Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789, der zum Symbol der Revolution wurde. In der Folge hob die Nationalversammlung mit den Augustbeschlüssen die Feudalordnung auf, erklärte die Menschenrechte und verabschiedete eine Verfassung, die Frankreich zur konstitutionellen Monarchie machte.

Einberufung der Generalstände

Sturm auf die Bastille

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