
Ursachen Französische Revolution
Die französisch-bürgerliche Revolution zählt zu den erfolgreichsten Ereignissen der neuzeitlichen Geschichte. Innerhalb kürzester Zeit wird die Europäische Ständegesellschaft, die seit dem Mittelalter aus Klerus, Adel, Bürgern und Bauern besteht, umgestürzt. Doch welche Faktoren ebnen den Weg zum vorläufigen Ende der absolutistischen Herrschaft in Frankreich? Und welche Vorbilder hatten die Franzosen auf ihrem Weg zu mehr nationaler Selbstbestimmung? Auf dieser Seite findet ihr die Antwort.
Krise des Absolutismus
In der Mitte des 18. Jahrhunderts befand sich das spät-absolutistische Regime in einer finanz-ökonomischen Krise. Der französische König Ludwig XVI. regierte absolut, also allein ohne Mitbestimmung anderer Institutionen, und saß auf einem enormen Schuldenberg. Die Schulden entstanden durch eine kostspielige Hofhaltung im Königsschloss Versailles, in dem ständig Feiern und Feste veranstaltet wurden und hunderte Angestellte bezahlt werden mussten. Befeuert wurden diese Schulden durch die Finanzierung des 7-jährigen Krieges zwischen 1756 und 1763, indem Frankreich gegen Großbritannien um die Vorherrschaft in Nordamerika kämpfte. Der Transport und die Finanzierung der Truppen verschlangen riesige Geldmengen. In den 1780er Jahren waren die Schulden Frankreichs so weit angewachsen, dass mehr als die Hälfte der Staatseinnahmen in Schuldzinsen gesteckt werden musste. Frankreich stand dadurch am Rande des Zahlungsausfalls


König Ludwig XVI.


Siebenjähriger Krieg (1756 - 1763)


Dritter Stand trägt Adel und Klerus




Rousseau und Voltaire
Schwäche des Königs
Ökonomisch schädlich für den Staatshaushalt waren zudem die Privilegien des Adels und der hohen Geistlichkeit, die im Luxus lebten und weitgehend von Steuern verschont wurden. Nur dem Adel und Klerus waren hohe Beamten- und Offiziersstellen zugänglich und sie besaßen Sonderrechte wie das Jagdrecht. Die beiden Gruppen stellten zwar nur 2% der Bevölkerung, hatten aber einen Großteil des Besitzes, sodass dem König seit Ewigkeiten große Steuereinnahmen entgingen. Ludwig XVI. versuchte deshalb mit Besteuerungsplänen die Lücke im Staatshaushalt zu schließen, indem er auch Fürsten und Kirchenvertreter zur Kasse bat. Allerdings war der König zu schwach, sodass er an der Opposition des Adels scheiterte und die Steuerfreiheit der ersten beiden Stände erhalten blieb.
Ausgrenzung des dritten Stands
Doch nicht nur finanziell, sondern auch gesellschaftlich befand sich Frankreich in einer Krise. Der Dritte Stand, der 98% der Bevölkerung ausmachte und hauptsächlich aus Bauern bestand, erlitt in der Zeit vor der Revolution extremes Leid. Die Bauern wurden durch hohe Abgaben und Dienste an ihre Grundherren geknechtet und Missernten 1786 und 1887 führten zu einem rasanten Anstieg des Getreidepreises und lösten somit eine Versorgungskrise aus. Befeuert wurde die Krise durch ein rasantes Bevölkerungswachstum, durch das besonders die Städte wuchsen. Dadurch griff die Nahrungsmittelknappheit auf die Städte über und die Stadtbevölkerung hungerte. Zudem stieg in der vorrevolutionären Phase das Besitz- und Bildungsbürgertum, die wohlhabendste Gruppe innerhalb des dritten Standes, zur dominanten Gesellschaftsschicht in Frankreich auf. Sie waren begünstigt durch Wohlstand und Bildung, dennoch waren sie deutlich schlechter gestellt als der Adel.
Fehlende Mitbestimmung
Dies führte zu politischer Unzufriedenheit des Bürgertums, die auf fehlender Mitbestimmung fußte, da seit 1614 keine Generalstände mehr einberufen wurden. Generalstände sind vom König einberufene Versammlungen, an denen sich der dritte Stand beteiligen und mitbestimmen konnte. Weiterhin litt das Bürgertum unter einer enormen Steuerlast, da es für Adel und Klerus mit aufkommen musste. Karikaturistisch schleppt der Dritte Stand die beiden privilegierten Stände auf seinem Rücken, während diese untätig und wohlgenährt über ihm thronen. Neben der Steuerlast sorgten uneinheitliche Maße und Gewichte für zusätzliche Kosten. Auch lehnte das Bürgertum existierende Zunftschranken und Binnenzölle ab und strebte nach freiem Handel.
Werte der Aufklärung
Begünstigt wurde die Revolution auch durch die Ideen der Aufklärung, die sich um 1700 verbreiteten. Wichtige Vertreter in Frankreich waren Voltaire, Rousseau und Montesquieu, welche die Vernunft als wichtigstes Prinzip etablierten und unbewiesene Glaubenssätze sowie Gottesherrschaft in Fragen stellten. Sie ermunterten die Menschen zu kritischem, mündigem Denken und forderten zu geistiger Freiheit auf. Die Vertreter der Aufklärung forderten die Herrschaft des Volkes, Bürger- und Menschenrechte sowie die Gewaltenteilung und stellten sich damit gegen die absolutistische Königsherrschaft. Damit legten die Vertreter der Aufklärung die Grundlage für ein neues Selbstbewusstsein des Bürgertums. Als die USA 1776 ihre Unabhängigkeit vom britischen König erklärten, zeigte dies, dass man sich erfolgreich von einer Monarchie lösen konnte. Dieses Beispiel ermutigte die französische Bevölkerung und trug zur Entstehung einer neuen politischen Denkweise in Frankreich bei.
Zusammenfassung
Insgesamt wirkten viele verschiedene Faktoren als eng miteinander verknüpftes Ursachengeflecht der Revolution zusammen. Finanziell befand sich der Staat durch die teure Hofhaltung und die Sonderrechte von Adel und Klerus in einer tiefen Krise, welche der zu schwache König Ludwig XVI. nicht beseitigen konnte. Gesellschaftlich wirken die hohe Belastung der Bauern und die Missernten und daraus folgenden Hungersnöte in den Städten schädlich auf den Rückhalt der Monarchie. Zudem bildete sich mit dem Bürgertum eine neue Schicht, welche selbstbewusst und wirtschaftlich stark auftrat. Politisch forderte das Bürgertum das Ende der ungerechten Gesellschaftsordnung und eigene politische Mitbestimmung sowie Handelsfreiheit. Gestützt wird es dabei von den Ideen der Aufklärung von Volkssouveränität und Gewaltenteilung sowie der Unabhängigkeit der USA.








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