Staatsstreich 1799 - Napoleon Bonaparte

Die Hinrichtung Robespierres beendete die Schreckensherrschaft der Jakobiner, woraufhin eine Zeit voller Unsicherheit folgte. Verschiedenste politische Richtungen und Religionsansichten wollten die Macht in Frankreich übernehmen. Die Regierungen wurden bereits nach kurzer Zeit ausgewechselt. Ein General von gerade einmal 30 Jahren sollte in dieser Zeit das scheinbar Unmögliche schaffen. Er würde das Land stabilisieren und zu einem neuen wirtschaftlichen Hoch führen. Sein Name war Napoleon Bonaparte. Wie war es für Napoleon möglich, die Macht zu übernehmen? Welche Reformen führte er in der Anfangszeit durch? Darum geht es auf dieser Seite.

Frankreich nach der Revolution

Die Jakobinerherrschaft hatte Frankreich fast noch mehr zerrüttet als die Revolution selbst. Ein Bürgerkrieg war entbrannt. Die radikalen Neo-Jakobiner, die gemäßigten Jakobiner, als erklärte Gegner der Neo-Jakobiner und die Royalisten als Befürworter einer erneuten Monarchie kämpften um ihren politischen Vorrang. Die 1795 vom Nationalkonvent beschlossene neue Verfassung wurde per Volksabstimmung bestätigt und sah die Bildung eines Direktoriums als zentrales exekutives Organ vor. Daher wurde sie auch Direktorialverfassung genannt. Neben dem Direktorium gab es ein Parlament bestehend aus zwei gewählten Kammern – dem „Rat der 500“ und dem „Rat der Alten“. Der „Rat der 500“ konnte Gesetze vorschlagen und der 250-köpfige „Rat der Alten“ ihnen zustimmen oder diese ablehnen. Jedes Jahr wurde ein Drittel der Abgeordneten neu gewählt, wodurch sich Mehrheiten ständig änderten. Koalitionen waren weder möglich noch gewollt. Beide Räte gemeinsam bestimmten ein 5-köpfiges Direktorium, das die Regierungsführung übernahm.

Rat der 500

Nationalkonvent

Emmanuel Sieyés

General Napoleon Bonaparte 1798

Politische Blockade

Trotz der neuen Verfassung hielten sich Neo-Jakobiner, Jakobiner und Royalisten gegenseitig in einer unüberwindlichen Pattsituation. Dies machte ein Handeln zur Stabilisierung des Landes fast völlig unmöglich. Ständig wurden Regierungen ausgewechselt. Die politische Unsicherheit führte zudem dazu, dass das Direktorium im Volk als verhasst und korrupt galt. Selbst Mitglieder des Parlaments waren gegen das Direktorium, doch vor der Durchführung eines Putsches fürchteten sie sich. Im Oktober 1799 hatten die Neo-Jakobiner die Mehrheit im „Rat der 500“ und die gemäßigten Jakobiner die Mehrheit im „Rat der Alten“. Im Direktorium saßen zwei Neo-Jakobiner, der unabhängige Paul Barras und die gemäßigten Jakobiner Sieyès und Ducos. Sieyès war bereit einen Staatsstreich durchzuführen, um eine Regierung mit etlichen Vollmachten zu erschaffen. An der Spitze dieser neuen Regierung wollte er selbst stehen. Ihm fehlte jedoch die Unterstützung eines ranghohen Offiziers. Diese sollte ihm der junge General Napoleon Bonaparte bringen, welcher aufgrund seiner militärischen Erfolge in den Koalitionskriegen beliebt im Volk war.

Vorbereitung des Putsches

Allerdings hatte Napoleon Robespierres blutige Herrschaft unterstützt und war bekannter Anhänger der Neo-Jakobiner. Er strebte nach Macht und Einfluss, doch als die radikalen Jakobiner ihn abwiesen und aus Paris vertreiben wollten, wendete er sich Sieyès zu. Napoleon Bonaparte konnte sich dabei großer politischer Unterstützung sicher sein. Seine Brüder Lucien und Joseph saßen beide im „Rat der 500“ und Lucien war sogar dessen Präsident. Als Schwäger standen die Generäle Leclerc und Murat zu seiner Verfügung und seine Frau Joséphine sicherte ihm die Verbindung zum Direktoriumsmitglied Barras. Am 1. November 1799 trafen sich die zwei gemäßigten Jakobiner Ducos, Sieyès und Napoleon Bonaparte, um ihre zukünftigen Regierungspläne abzusprechen. Sie planten eine Übergangsregierung mit ihnen als richtungsgebende Konsuln, bis eine Verfassung ausgearbeitet war. Sieyès sah Napoleon Bonaparte als seinen Handlanger, doch Napoleon stellte die Bedingung, entweder die Exekutivgewalt übernehmen zu dürfen oder das Oberkommando der Armee zu bekommen. Da Sieyès Alternativen fehlten, musste er zustimmen und Napoleon übernahm die Führung der Verschwörung. Um das Volk nicht gegen sich aufzubringen und eine neue Revolution zu vermeiden, gaben die Verschwörer ihrer Machtübernahme einen legalen Anstrich. Es sollte so wirken, als würden sie die Gesetze achten.

Durchführung Revolutionsplan

Dafür sollten die Direktoren zurücktreten und die Konsuln ihren Platz einnehmen. Der „Rat der 500“ und der „Rat der Alten“ sollten außerhalb von Paris zu einer Sondersitzung zusammenkommen und durch Infiltration der Übergangsregierung zustimmen und sich anschließend selbst auflösen. Der Putsch sollte unbemerkt und ruhig ablaufen, um Zeit zur Ausarbeitung einer neuen Verfassung zu gewinnen. Doch am 9. November 1799 stationierte Napoleon auf eigene Faust sein Militär an wichtigen Orten in Paris. Am gleichen Tag fand die Ratssitzung der Alten statt, bei der nur dem Umsturz gefällige Mitglieder eingeladen wurden. Die Infiltranten schafften es mit der Lüge, die Neo-Jakobiner würden die Republik angreifen wollen, eine weitere Ratssitzung für den nächsten Tag außerhalb von Paris zu beordern. Napoleon hielt eine Rede für die Republik vor dem „Rat der Alten“ und wurde als oberster Befehlshaber der Pariser Truppen vereidigt. Die Soldaten wiederum schwor er mit einer Hetzrede gegen das Direktorium ein, in dessen Verlauf er an die Rache- und Ehrgefühle der Soldaten appellierte. Mit diesen Worten vereinte er die Soldaten hinter sich. Der durch Napoleons Frau Joséphine gelenkte Direktoriumsvertreter Barras trat gegen eine Geldsumme von 2 Millionen Francs zurück. Die beiden Neo-Jakobiner wurden festgesetzt und die beiden Direktoriumsvertreter Ducos und Sieyès traten als Verschwörer freiwillig ab. Das Direktorium war damit handlungsunfähig und der Plan schien aufgegangen.

Wendepunkt des Staatsstreichs

Doch am darauffolgenden Tag entstand bei der Sitzung des „Rates der 500“ ein Tumult, da die Neo-Jakobiner einen erneuten Treueid auf die Verfassung von jedem einzelnen Abgeordneten forderten. Auch im „Rat der Alten“ wurden die Verschwörer mit Fragen zur angeblichen Gefährdung der Republik durch die Neo-Jakobiner konfrontiert, sodass die Sitzung unterbrochen wurde. Die Stimmung drohte gegen die Putschisten zu kippen. Um die Initiative zu ergreifen, trat Napoleon Bonaparte vor den „Rat der Alten“, scheiterte aber kläglich mit einer angebrachten Erklärung. Die Abgeordneten gingen von einem Militärputsch seinerseits aus. Napoleon versuchte es mit seiner Erklärung vor dem „Rat der 500“, wo er nicht einmal zu Wort kam, so sehr beschimpften die Parlamentarier ihn. Zurück vor den Soldaten erklärte Napoleon ihnen, die Abgeordneten hätten ihn erdolchen wollen. Durch die rhetorische Hilfe von Napoleons Bruder Lucien wurden Soldaten und Wachen überzeugt, den Ratssaal der 500 zu stürmen. Mit Gewalt wurde der „Rat der 500“ auseinandergetrieben, woraufhin der „Rat der Alten“ der Einsetzung der dreiköpfigen Übergangsregierung zustimmte. Die Sitzung beider Parlamentskammern wurde offiziell vertagt.

Machtübertragung auf Konsuln

Durch eine Vertagung der Sitzungen konnte keine Machtübertragung auf die Konsuln durchgeführt werden. Daher schlug Napoleon Bruder Lucien Bonaparte vor, dass die verschwörungstreuen Abgeordneten sich als Mehrheit erklären sollten. Nachdem dies geschehen war, besaßen die Abgeordneten das Recht, Ducos, Sieyès und Napoleon die Regierungsgewalt zu übergeben. Die Abgeordneten trugen ihnen auf, die Verwaltung aufrecht zu erhalten, den Frieden innerhalb des Landes wiederherzustellen und die außenpolitischen Kriege zu beenden. Im Beisein etlicher Schaulustiger, Soldaten und einiger Abgeordneter vereidigt Lucien Bonaparte die drei Konsuln Ducos, Sieyès und Napoleon Bonaparte am 11. November 1799 um 2 Uhr morgens auf die unteilbare Republik mit Sicherung der Freiheit und Gleichheit. Unter Gratulationen und den Rufen „Es lebe die Republik!“ wurde deren Ende besiegelt.

Zusammenfassung

1799 planten Politiker um Sieyès einen Staatsstreich und holten dafür den beliebten General Napoleon Bonaparte als militärische Unterstützung ins Boot. Während des Putsches setzte Napoleon Soldaten in Paris ein und schüchterte die Parlamente ein, obwohl er zunächst nur als Helfer gedacht war. Als Widerstand im „Rat der 500“ aufkam, ließ er den Saal mit Gewalt räumen und machte die Volksvertretung handlungsunfähig. Am Ende wurde eine Übergangsregierung mit drei Konsuln gebildet, in der Napoleon sich selbst an die Spitze setzte. Doch Napoleons Machtansprüche gingen über das Direktorium hinaus. Wie er seine Macht ausbaute, erfahrt ihr im nächsten Kapitel.

Napoleon im Rat der 500

3 Konsuln - Sieyes, Napoleon und Ducos

500+ Videos

Logische Zusammenhänge statt trockener Jahreszahlen

Exakt der Stoff, der in Klausuren zählt

In wenigen Minuten perfekt für den nächsten Unterricht vorbereitet

Unser Lernheft

Von Experten erstellt

QR-Codes zu Lernvideos

Prüfungsaufgaben wie im Abitur

Zusammenfassungen für maximal effizientes Lernen

Für deinen Lern-Boost in Geschichte

WERBUNG